Michael Werk  
Text- und Bildjournalist  
   

 
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„Gute Vibrationen” sind der Kick bei den Konzerten

E-Gitarrist „Olli“ Schröder feiert 30-jähriges Bühnenjubiläum / Mit Otto Waalkes live vor 30.000 Fans gespielt

Von Michael Werk

Was wäre die heimische Musikszene, ohne Oliver Schröder? Unvorstellbar, kann man wohl sagen. In zahlreichen Bands hat der weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannte 43-jährige Ex-Bückeburger und Neu-Obernkirchener, der von allen nur „Olli“ genannt wird, als virtuoser E-Gitarrist bereits den Ton angegeben. Er stand als Frontmann bei „Skyliner“, „Pink Torpedo“, „Bushfire“ und „Atmo’s fears“ auf der Bühne, spielt bei den ebenfalls von ihm mitbegründeten „Monsterbabies“ sowie den „24-Strings“ und mischt aktuell zudem bei „The Beat Club“, „Molle’s Tough Cocktail“ als auch der allmonatlichen, kultigen Jam-Session in der Bückeburger Szenekneipe „Känguruh“ mit - nur um einige seiner vielfältigen Aktivitäten zu nennen. Die musikalischen Stilrichtungen? Rock, Pop, Blues, Funk und was man sonst noch so alles mit einer Stromgitarre anstellen kann. Von denen hat er übrigens sage und schreibe 15 Stück im Einsatz. Ach ja, und eine „kleine, aber feine Gitarrenschule“ (www.little-guitars.de) betreibt er außerdem.

Angesichts dieses selbstgesetzten Aufgabenspektrums verwundert es nicht, dass Olli - dessen Markenzeichen seine jedem Frisurentrend trotzenden langen Haare und seine fetzigen T-Shirts sind - ein wichtiges Ereignis seines Musikerlebens nicht wirklich auf dem Schirm gehabt hat: sein 30-jähriges Bühnenjubiläum!

„Oh mein Gott, ja, das stimmt“, reagierte er überrascht und lachte herzlich, als er von unserer Zeitung auf dieses denkwürdige Ereignis angesprochen wurde. Ob er Lust habe, ein bisschen ‘was über die vergangenen drei Jahrzehnte, insbesondere auch die Anfänge und Höhepunkte seiner Musikerkarriere, zu erzählen? Na klar, das hatte er - unkompliziert wie er ist!

„Ich wusste ja, dass ich mit 13 meinen ersten richtigen Gig hatte, aber irgendwie will man ja nicht wahrhaben, dass man schon 43 ist“, geht Olli später noch einmal auf das bei ihm ein wenig untergegangene Jubiläum ein. Mit seiner Band „SHS“ - deren Initialen zunächst für „Schröder, Hohmeier und Schaper“ (die Bandmitglieder) standen und von ihnen später in das klangvollere „Stainless Heavy Steel “ (übersetzt: „Rostfreier schwerer Stahl“) uminterpretiert wurden - gab er damals ein kleines Konzert in dem von ihm besuchten Stadthäger Ratsgymnasium. Sein Leben als Berufsmusiker, dem eine Ausbildung zum Musikalienhändler vorausging, war zu dieser Zeit jedoch schon längst vorprogrammiert:

Im Alter von elf Jahren habe er - als Abwechslung zum Klavierunterricht - das erste Mal ein paar Akkorde auf der alten Jazzgitarre seines Vaters geschrammelt und zunehmend Spaß daran gefunden, berichtet Olli. Geradezu „Feuer und Flamme“ fürs Gitarrespielen sei er dann von dem Moment an gewesen, als er 1978 das Carlos Santana-Album „Moonflower“ gehört hatte. „Und als ich Zwölf war, habe ich gedacht, da geht jetzt kein Weg dran vorbei: ich will nur noch Gitarre spielen.“ Die Virtuosität eines Gary Moore („Der hat mich auch total geflasht“) schien ihm damals allerdings ebenfalls noch unerreichbar. Und dass er später mal den „Toto“-Klassiker „Afrika“ im Stile Steve Lukathers als Leadgitarrist bei „Skyliner“ quasi im Dauerabonnement auf unzähligen Konzerten zum Besten geben würde, konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht mal ahnen.

Was ihn an der Gitarre, speziell der elektrischen Variante, reizt? „Ich kenne kein polyphones (mehrstimmiges) Instrument, auf dem man sich so toll ausdrücken kann“, sagt Olli. So etwa mit Bendings und Slides, Vibrato, Hammer-ons und Pull-offs, Fingertapping und einigen Spieltechniken mehr. Obwohl er durch den Klavierunterricht durchaus Noten lesen konnte, spielte er Gitarre lange Zeit nur nach Gehör. Erst als er mit 30 Jahren anfing, Gitarrenunterricht zu geben, griff er dann zum ersten Mal auch nach Noten in die Saiten.

Außer den bereits erwähnten und etlichen anderen internationalen E-Gitarristen der Musikszene, die ihm als Motivation und Vorbild gedient haben, hatte nicht zuletzt auch „Skyliner“ großen Einfluss auf die spieltechnische Entwicklung des Obernkircheners. Aus zweierlei Gründen: Zum einen aufgrund der damaligen Omnipräsenz dieser Top-40-Coverband, die in ihrer besten Zeit an manchen Tagen bis zu drei Gigs und ihm selbst damit reichlich Gelegenheit zum „Saitenziehen“ gegeben hatte. Zum anderen wegen deren Repertoire, das eben im wesentlichen aus gecoverter Chartmusik bestand. Die eigenen Songs der Band waren damals zwar leider nicht sehr gefragt, erinnert sich Olli, der Vorteil sei aber gewesen, dass er durch „Skyliner“ mit unheimlich vielen Stilarten in Kontakt gekommen sei und somit einen „unheimlich großen Wortschatz im Gitarrespielen kennengelernt“ habe. Später habe er das Ganze dann in Richtung Blues und Rock vertieft - die Genres, die ihn unterm Strich am meisten interessieren.

Trotz des beachtlichen Erfolgs von „Skyliner“ und seinem seinerzeit jungen Alters (eine Kombination, die einen ja durchaus zu Höhenflügen annimieren könnte) war und ist Olli offenbar stets bodenständig geblieben: „Also, ‘sex and drugs and rock’n’roll’, das ist sowas von an mir vorbeigegangen“, kommentiert Olli lachend die kleine Anspielung auf das verwegene Image, das manchen Musikern, vor allem den langhaarigen, zugeschrieben wird - und von diesen mitunter auch gerne gepflegt wird. Verpasst habe er dadurch aber sicherlich nichts.

Wie es heute aussieht? Bei den Bands, mit denen er jetzt Musik macht, ist es mit Ausnahme von „The Beat Club“ so, dass diese überwiegend eigene Stücke zum Besten geben. Songs zu schreiben und sich als Band mit eigener Musik selbst zu verwirklichen sei das, was für ihn immer mehr an Bedeutung gewinnt, verrät Olli, der sich für die Zukunft wieder eine deutlich größere Zahl an Gigs wünscht. Das Erlebnis, live vor einem Publikum zu spielen, vergleicht er dabei mit einer Fahrt in einem „Freefalltower“, bei der man in einen Sitz geschnallt in Sekundenbruchteilen um die hundert Meter senkrecht nach unten rast. Die ersten Male ist es echter Streß, je öfter man es aber macht, desto besser wird es - dank der „guten Vibrationen“, die vom Publikum ‘rüberkommen. Und der Genuss steigt mit der Dosis:

Mit „Skyliner“ bei der EXPO im Jahr 2000 vor zirka 10.000 Zuschauern zu spielen, war schon phantastisch. Ein noch größeres Highlight seiner Musikerkarriere stellt jedoch ein Open-Air-Konzert mit Otto Waalkes und dessen „Friesenjungs“ in Homberg (Efze) dar, für das Olli 2008 aushilfsweise als Leadgitarrist engagiert worden war. Gerademal drei bis vier Songs hatte er mit der programm-erfahrenen Band während des Soundchecks auf die Schnelle durchgehen können und dann waren sie auch schon auf die Bühne gegangen, um vor rund 30.000 Zuschauern zu spielen: „Das war völlig irrsinnig“, schwärmt Olli noch heute. Was dieses Erlebnis noch toppen könnte? Mal sehen, was die Zukunft bringt - irgendwie wird es schon in den richtigen Bahnen weitergehen:

„Gott hat es immer gut mit mir gemeint“, resümiert der 43-Jährige, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er auch seitens seiner Eltern und Großeltern stets viel Unterstützung erhalten hat. Dafür, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen und sich in den vergangenen 30 Jahren fest in der Schaumburger Musikszene verankern konnte.