Michael Werk  
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Baum fällt!

Was man beim Selbstwerbenvon Brennholz beachten muss

Von Michael Werk

Heizen mit Holz liegt im Trend. Außer der Behaglichkeit, die ein prasselndes Kaminfeuer im Wohnraum vermittelt, sind es mitunter auch wirtschaftliche Überlegungen, wegen der sich Hausbesitzer einen Kaminofen oder sogar eine mit Holzscheiten befeuerte Zentralheizung anschaffen. Im Vergleich zu den fossilen Brennstoffen Erdöl und -gas kann das Heizen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz nämlich durchaus günstiger sein. Da aber auch ofenfertiges Brennholz seinen Preis hat, liegt der Gedanke nahe, selbst in den Wald zu ziehen und „Holz zu machen“.

Brennholz auf eigene Faust aus dem Wald zu holen, kann ja eigentlich nicht allzu kompliziert sein: Die alte Motorsäge aus dem Geräteschuppen gekramt oder schnell eine neue gekauft, den kleinen Anhänger (zur Not tut’s auch der vom Nachbarn) hinter den PKW gespannt und ein kurzer Anruf beim Förster, um zu klären, wo im Wald die Baumfällaktion stattfinden kann - los geht’s. Nun, ganz so einfach ist die Sache dann aber doch nicht.

Mittlerweile ist es zum allgemeinen Standart geworden, dass sich die Forstämter von ihren Brennholzkunden zunächst einen entsprechenden „Sachkundenachweis“ vorlegen lassen, sagt Lothar Seidel, der Leiter des Kreisforstamtes Spießingshol. Aus dieser Bescheinigung muss klar hervorgehen, dass sich der Hobby-Waldarbeiter in einem oder mehreren Lehrgängen das erforderliche Wissen über den sicheren und fachgerechten Umgang mit der Motorsäge angeeignet hat. Wer nicht nur von Forstmitarbeitern am Waldweg bereit gestellte Stammabschnitte zu Brennholz verarbeiten, sondern tatsächlich selbst Bäume von der Senkrechte in die Waagrechte befördern will, muss außerdem Kenntnisse über die unterschiedlichen Techniken des Fällens von Bäumen und des Aufarbeitens der später am Boden liegenden Kronen nachweisen. Überzogen ist diese Forderung nicht: „Eine Motorsäge ist ein Arbeitsgerät mit einem unwahrscheinlichen Gefahrenpotenzial“, sagt Seidel. „Und wenn es beim Hantieren mit diesen Geräten zu Unfällen kommt, sind in der Regel schwere Verletzungen bis hin zu Todesfällen die Folge.“

Niemals allein in den Wald“ lautet daher eine eiserne Grundregel für alle Brennholzkunden, ergänzt Karl-Heinz Knigge, Forstwirtschaftsmeister beim Landkreis Schaumburg und Leiter der Motorsägen-Kurse des Kreisforstamtes. Dies bläut er auch seinen Lehrgangsteilnehmern ein. Stets sollte eine zweite Person dabei sein, die bei einem eventuellen Unfall Erste Hilfe leistet und gegebenenfalls einen Notarzt alarmiert. Trotzdem gibt es aber immer noch Zeitgenossen, die diesen dringenden Appell nicht ernst nehmen und lieber alleine im Wald arbeiten: „Das kriegt man vor allem aus den älteren Menschen nicht raus“, schüttelt der Profi den Kopf angesichts solcher Unvernunft. Dabei könne selbst eine an sich nicht lebensbedrohliche Verletzung dazu führen, dass es der Verunfallte ohne fremde Hilfe nicht mehr schafft, aus dem Wald herauszukommen. Wenn dieser dann irgendwo in einem menschenleeren Waldgebiet auf dem Erdboden liegt, zudem noch bei niedrigen Temperaturen - da brauche man nicht viel Fantasie, um sich sich vorzustellen, dass selbst derartige Unfälle doch noch tödlich enden können.

In den Kursen zum Erwerb des landläufig als „Motorsägen-Schein“ bezeichneten Sachkundenachweises lernen die Teilnehmer daher all das, was man als Hobby-Waldarbeiter wissen muss, berichtet Knigge. So ist etwa der zu fällende Baum vor dem Ansetzen der Motorsäge genau zu beurteilen: Wo steht er im Bestand? Ist er gerade oder schief gewachsen? In welche Richtung soll er umfallen? Hängen tote Äste in der Krone, die sich lösen können? Ist der Baum innen faul? Je nachdem, welche Antworten sich auf diese und andere Fragen ergeben, hängt dann ab, mit welcher Sägetechnik dem Baumstamm zu Leibe gerückt wird. Bei der falschen Vorgehensweise kann sich nämlich das Schwert der Motorsäge in der Schnittfuge verklemmen, der Stamm der Länge nach aufplatzen und den daneben stehenden Menschen treffen oder der Baum in die verkehrte Richtung fallen - nur um einige mögliche Probleme zu nennen. „Die Kronenaufarbeitung ist nicht weniger gefährlich, da in der Regel erhebliche Spannungen in den Ästen und dem Stamm vorhanden sind“, warnt Knigge. Auch hier bestehe das Risiko, dass das Holz beim Ansägen plötzlich aufplatzt und der Holzfäller dadurch verletzt wird. Eine persönliche Schutzausrüstung (bestehend aus Schutzhelm mit -brille oder Gesichtsschutz, Gehörschutz, Arbeitshandschuhen, Schnittschutzhose und Sicherheitsschuhen mit Schnittschutzeinlage) ist daher ein absolutes Muss bei der Arbeit mit der Motorsäge.

In der Praxis haben die meisten Kunden allerdings eher mit dem (etwas hölzern klingenden) Produkt „Brennholz lang, gerückt am Waldweg“ zu tun, berichtet Seidel. Dabei handele es sich um drei bis fünf Meter lange Stammabschnitte, die zu kleinen Stapeln zusammengefasst am Wegesrand gelagert werden und auf Käufer warten. Die Kunden müssen das Holz dann nur vor Ort auf die gewünschte Scheitlänge kürzen und anschließend nach Hause transportieren. Abgerechnet wird nach Festmetern (FM) Holz, was den vom Förster gemessenen „Stammvolumen ohne Rinde“ entspricht, also je einem Kubikmeter feste Holzmasse. Für das „Leitsortiment“ Buche beispielsweise nimmt das Kreisforstamt aktuell rund 50 Euro je Festmeter.

Die von den „Selbstwerbern“ (so werden die privaten Holzfäller im Forstjargon bezeichnet) gefällten Bäume und das aufgearbeitete Kronenholz werden statt dessen in Raummetern (RM) berechnet. Hierzu stapeln die Kunden zunächst auf einen Meter Länge gesägte, gespaltene Scheite im Wald zu jeweils einen Kubikmeter großen Poltern, die der Förster dann zur Kontrolle nachmisst. Im Vergleich der beiden Maßeinheiten entspricht ein Rundmeter ungefähr 0,7 Festmetern beziehungsweise ein Festmeter zirka 1,4 Raummetern. Da die Selbstwerber das Fällen der Bäume und Zerlegen der Kronen in Eigenregie erledigen, verlangt das Kreisforstamt für beispielsweise einen Raummeter Buche lediglich rund 20 Euro. „Für den Geldbetrag, den man da spart, muss man aber auch ungleich mehr Arbeit leisten“, relativiert der Kreisforstamtsleiter. Dass solche Arbeiten zudem nur den erfahrenen Stammkunden überlassen werden, begründet er damit, dass ein Laie mit dieser Aufgabe auch überfordert wäre. Zudem sei es bei insgesamt zirka 700 bis 800 zu betreuenden Brennholzkunden schon von der Logistik her nicht möglich, jedem Einzelnen diejenigen Bäume im Wald zu zeigen, die er fällen darf.

Absatzsorgen für Brennholz gibt es offensichtlich nicht: „Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot“, berichtet Seidel. Rund 8000 Raummeter gehen beim Kreisforstamt in einer Saison über den Tresen. Mehr Brennholz könne man jedoch nicht zur Verfügung stellen, da man sonst die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung gefährden würde. „Die Nachfrage ist riesig“, bestätigt Christian Fischer, Privat-Forstdirektor des Fürstlichen Forstamtes Bückeburg und Leiter der dortigen Fürstlichen Hofkammer. In den vergangenen zehn Jahren habe es einen regelrechten Brennholz-Boom gegeben. Mit 3000 bis 4000 Raummetern plus 300 bis 1000 Festmetern - die jeweils zu „ortsüblichen Preisen wie bei allen anderen auch“ abgegeben werden - ist aber ebenfalls „der Zenit“ erreicht. Wie beim Kreisforstamt können die Kunden des Fürstlichen Forstamtes wählen, ob sie selbst Bäume fällen und Kronenholz aufarbeiten wollen oder statt dessen lieber - in „haushaltsüblichen Mengen“ von drei bis zehn Festmetern - an der Waldstraße gestapelte Stammabschnitte verarbeiten möchten.

Beim Klosterforstamt Westerhof, das mit den beiden Forstrevieren Auhagen und Borstel im Landkreis Schaumburg vertreten ist, gibt es schließlich ebenfalls keinen Grund zur Klage: 2000 bis 3000 Festmeter Brennholz veräußere man pro Jahr, sagt dessen Forstdirektor Georg Schaefer, der die dortige Nachfrage als „gut“ bezeichnet. Zirka 70 Prozent des Brennholzverkaufs entfallen dabei auf am Waldweg gelagerte drei bis fünf Meter lange Stammabschnitte, die in Poltern zu sechs bis 20 Raummetern zusammengefasst sind. Außerdem wird Kronenholz angeboten, nicht aber die Möglichkeit, Bäume selbst zu fällen - „aus Sicherheitsgründen“, sagt Schaefer.

In Anbetracht des florierenden Marktes führen jedoch alle drei Forstämter Wartelisten, in die sich neue Brennholzinteressenten eintragen lassen müssen. Es gebe allerdings auch immer eine gewisse Fluktuation innerhalb des Kundenbestandes, versichern die drei Forstamtsleiter. „Da wird jeder sein Holz bekommen“, konkretisiert es Schaefer bezogen auf seinen Zuständigkeitsbereich.

Für diejenigen, die ihr Brennholz ofenfertig kaufen, bringt Seidel schließlich noch eine weitere Maßeinheit ins Spiel: den Schüttraummeter (SRM). Im Vergleich zu Raum- und Festmeter sei dies „das ungenaueste Maß“, da die Scheite so wie sie fallen aufeinander geschüttet werden. Als groben Richtwert könne man einen Kubikmeter solch eines Haufens mit einem halben Festmeter gleichsetzen, um einen Preisvergleich anzustellen.